• Nadine Rinderknecht

Auf der Online-Suche nach den Publikationen

Aktualisiert: vor 23 Stunden

Wie kann in den Weiten des Webs die benötigte Literatur gefunden werden? Dieser Beitrag bietet eine Übersicht über nützliche Suchmaschinen, Datenbanken und sonstige Tools, um den Einstieg in die Web-Recherche zu erleichtern.


Level: Beginner

Suchmaschinen, Datenbanken und sonstige Tools erleichtern dir das Auffinden der benötigten Literatur in den Weiten des Internets.


Inhaltsverzeichnis


Einleitung

1. Suchmaschinen

1.1 Google

1.2 Google Scholar

1.3 Weitere wissenschaftliche Suchmaschinen

2. Bibliothekskataloge

3. Datenbanken

3.1 Schweiz

3.2 Deutschland/EU

3.3 Sonstige Datenbanken

4. Sonstige nützliche Tools

5. Fazit



Einleitung


Die Suche nach einschlägigen Publikationen kann sich in den Weiten des Webs als schwierig erweisen. Dieser Beitrag bietet nützliche Tipps zu Suchmaschinen, wissenschaftliche Datenbanken und sonstige Tools wie Browser-Erweiterungen.


Bei der Online-Suche ist die Verbindung mit dem VPN (Virtual Private Network) der eigenen Universität von grosser Wichtigkeit, da man ansonsten auf viele der Datenbanken gar nicht erst zugreifen kann. Wer es also nicht schon längst gemacht hat, sollte sich unbedingt mit dem VPN verbinden können (Anleitung für Studierende der Universität Zürich: www.zi.uzh.ch) oder ansonsten einen Bibliothekskomputer benutzen. Die meisten der hier angesprochenen Datenbanken sind entweder öffentlich oder mit dem VPN der Universität Zürich kostenlos zugänglich. (Teilweise wird von den Webseiten noch eine kostenlose Erstellung eines Profils verlangt). Der Fokus dieses Beitrags liegt zudem auf der Online-Suche nach Aufsätzen und Büchern und nicht auf der Suche nach Urteilen oder Erlassen.



1. Suchmaschinen


Die in Europa meistgenutzte Suchmaschine ist Google. Deshalb werden sich die folgenden Ausführungen primär mit Google bzw. Google Scholar befassen.



1.1 Google


Eine altbekannte Art, das Web nach Informationen zu durchsuchen, ist natürlich Google. Bei einer Google-Suche können die folgenden Tipps hilfreich sein.


Tipp: Mache dich vertraut mit den Google-Suchfunktionen

Es wird hier auf die Ausführungen auf www.computerbild.de verwiesen. Beachte, dass dort die wertvollsten Tipps erst ab "16. Anführungsstriche mit Platzhaltern" anzutreffen sind.


Tipp: Suche nach dem PDF-Format

Dies ist ein spezifischer Anwendungsfall des vorherigen Tipps bzw. des Tipps "24. Nach Dateitypen suchen" auf www.computerbild.de. Im Web publizierte Literatur ist oft im PDF-Format gespeichert. Deshalb empfiehlt es sich, in der Suchleiste neben dem gewünschten Thema PDF einzugeben. PDF kann auch in Ausführungszeichen gesetzt werden, sodass Google nach Inhalten sucht, die zwingend den Begriff PDF enthalten. Zudem kann auch der Begriff filetype: zusammen mit dem Format benutzt werden (z.B. filetype:PDF). Da Google die PDFs aber auch ohne Ausführungszeichen oder filetype: oft gut findet, können diese auch weggelassen werden. Das Hinzufügen von PDF nach dem Thema genügt also.


Tipp: Suche nach Ergebnissen einer bestimmten Website

Auch dies ist ein spezifischer Anwendungsfall des ersten Tipps bzw. des Tipps "17. Websites durchsuchen" auf www.computerbild.de. Bringt eine übliche Google-Suche, d.h. das Suchen nach einem blossen Thema, auch viele unwissenschaftliche Ergebnisse, kann mit einer Google-Suche einzelne, wissenschaftliche Webseiten durchsucht werden. Dazu kann neben das Thema site: und dann der URL der Webseite hinzugefügt werden (z.B. site:ssrn.com, site:elsevier.com). Diese Suchweise eignet sich besonders, wenn dich nur die Suchergebnisse einer bestimmten Website interessieren und die Suche innerhalb der Website nicht so gut funktioniert wie die Google-Suche. Ansonsten ist eine Suche mit Google Scholar oft zielführender (siehe unten Ziff. 1.2).


Tipp: Suche nach der Website des Autors

Dies ist ein nützlicher Tipp für den Fall, dass sich die gewünschte Publikation hinter einer Paywall befindet, auf die auch mit dem Uni-VPN nicht zugegriffen werden kann. Publiziert ein Autor nicht Open-Access, bietet ihm der Verlag manchmal die Möglichkeit, auf seiner (privaten) Website den Link zu einer frei zugänglichen PDF-Version seiner Publikation zu setzen. Suchst du also beispielsweise nach der Publikation eines Professors, kannst du nach seiner Lehrstuhl-Website goo­geln und dort nachschauen, ob er in seiner Publikationsliste einen Link zum PDF hinzugefügt hat.



1.2 Google Scholar


Google Scholar (www.scholar.google.com) ist die wissenschaftliche Suchmaschine von Google und die weltweit grösste akademische Suchmaschine. Diese kann nach Literatur wie Büchern, Zeitschriftenartikeln, Seminararbeiten, Preprints und Essays gesucht werden.


Beachte:

  • Mit Google Scholar finden sich sowohl kostenlose als auch kostenpflichtige Dokumente, die möglicherweise auch mit dem Uni-VPN nicht zugänglich sind.

  • Suchst du mit Google Scholar, bekommst du automatisch auch Bücher von Google Books angezeigt. Deshalb erübrigt sich eine separate Suche auf Google Books oft.

  • Da das Rankingverfahren von Google Scholar sehr intransparent ist, lässt sich kaum sagen, weshalb ein bestimmtes Suchergebnis zuoberst auftaucht. Bekannt ist nur, dass die häufige Zitation einer Quelle hoch gewichtet wird. Entsprechend tauchen vielfach zitierte Quellen tendenziell zuoberst auf. Dies kann ein Indiz für eine wissenschaftlich hohe Bedeutung der Publikation sein, muss es aber nicht.


Tipp: Frage den Professor, welche Quellen erlaubt sind

Google Scholar versteht den Begriff der "Wissenschaftlichkeit" sehr weit. So tauchen beispielsweise auch Blogs in den Suchergebnissen auf. Einige Professoren sind der Ansicht, dass die Diskussionen auf Blogs/Webseiten (von Experten oder Anwaltskanzleien) gerade bei sich schnell entwickelnden Bereichen auch berücksichtigt werden können bzw. sollten. Ist dieselbe Meinung aber in einem "wissenschaftlichen Pendant" zu finden, ist dieses zu zitieren. Andere Professoren sind gegenteiliger Ansicht und möchten nur "traditionelle Quellen" zitiert sehen (z.B. Lehrbücher, Aufsätze in Zeitschriften). Im Zweifel sollte einfach nachgefragt werden, was genau zitiert werden darf.



1.3 Weitere wissenschaftliche Suchmaschinen


Neben Google Scholar bestehen auch noch andere wissenschaftliche Suchmaschinen wie beispielsweise:



2. Bibliothekskataloge


Ein Bibliothekskatalog ist ein Verzeichnis von Quellen, die den Bestand in einer oder mehreren Bibliotheken aufzeigt. In der Schweiz ist der Katalog von swisscovery (www.swisscovery.slsp.ch) von zentraler Bedeutung. Nach eigenen Angaben ist dies "[d]ie nationale Plattform, welche wissenschaftliche Informationen rund 475 Bibliotheken der Schweiz zusammenführt." Dank swisscovery muss als nicht mehr in den Katalogen mehrerer Bibliotheken gesucht werden, sondern es genügt eine einzige Suche auf swisscovery. Die Ergebnisse können aber auch optimiert werden, sodass beispielsweise nur die Quellen des RWI angezeigt werden.


Beachte: Ist eine Quelle online zugänglich, wird dies in grün angezeigt ("Online verfügbar"). Klickt man auf das Suchergebnis, kann man mit dem Link unter "Online ansehen" direkt zur Quelle gelangen. Möglicherweise muss man sich aber noch (kostenpflichtig) anmelden. "Online verfügbar" heisst also nicht zwingend "Open-Access".


Tipp: Schaue (auf swisscovery), wie eine Quelle zitiert wird

Schreibst du gerade ein Paper und bist dir nicht sicher, wie du eine bereits gefundene Quelle zitieren sollst? Hier kann ein Blick auf die Zitierweise auf swisscovery hilfreich sein: Suche dort nach der Quelle, klicke auf das Suchergebnis, scrolle runter zu "Senden an" und klicke auf das Icon "Zitierung". Dort findest du verschiedene Zitierweisen, die du auch copy&pasten kannst. Als Alternative kann die fragliche Quelle auch in Google Books eingegeben werden. Oft tauchen dann mehrere Bücher auf, welche die Quelle bereits zitiert haben. Suche in diesen Büchern nach einem "Konsens", wie die Quelle zitiert wird. Beachte aber, dass letztlich alle benutzten Quellen in deinem Paper einheitlich zitiert werden müssen. Das bedeutet, dass der "Konsens" unter Umständen noch an die eigene Zitierweise anzupassen ist.



3. Datenbanken


Von den (wissenschaftlichen) Suchmaschinen abzugrenzen sind Datenbanken. Diese beinhalten oft eine grosse Anzahl an Publikationen, die sich allerdings oft hinter einer Paywall befinden. Deshalb kommt besonders hier dem Uni-VPN eine grosse Bedeutung zu.


Die folgenden, nicht abschliessenden Ausführungen unterscheiden sodann nach Staaten bzw. ihren Rechtsordnungen. Beachte aber, dass in einer bestimmten Datenbank auch "ausländische Publikationen", d.h. Publikationen über eine andere Rechtsordnung, zu finden sind. Beispielsweise gibt es auf beck-online (siehe unten Ziff. 3.2) auch (wenig) Literatur zum Schweizer Recht.



3.1 Schweiz


In der Schweiz ist Swisslex (www.swisslex.ch) von grosser Bedeutung. Nach eigenen Angaben ist "Swisslex [...] die umfangreichste juristische Rechercheplattform der Schweiz". Hat man sich mit dem Uni-VPN verbunden und eingeloggt, hat man Zugriff auf eine Vielzahl an Urteilen, Zeitschriften, Kommentaren, Büchern, Reihen und EU-Recht (z.B. Verträge und Rechtsprechung).


Eine weitere wichtige Rechtsdatenbank ist legalis (www.legalis.ch). Hier sind Sammelbände, Kommentare, Handbücher, Lexika, Datenbank (zum Genugtuungsrecht), Hochschulschriften, Zeitschriften, Erlasse und Entscheide zu finden. Diese Datenbank sticht besonders infolge der vielen Kommentare heraus (insb. Basler Kommentar).


Auch wichtig ist Weblaw (www.weblaw.ch). Die Datenbank bietet eine "umfassende Auswahl an Services wie Online-Zeitschriften, Datenbanken, E-Publikationen, Magisterarbeiten sowie Campuslizenzen."



3.2 Deutschland/EU


Befasst man sich mit deutschem oder EU-Recht, ist die umfangreiche Datenbank von beck-online (www.beck-online.beck.de) sehr hilfreich. Daneben gibt es auch die R&W-Online Datenbank (www.online.ruw.de).


Andere deutsche Datenbanken, in denen sich neben rechtswissenschaftlichen Publikationen auch Publikationen anderer Disziplinen befinden, sind etwa:



3.3 Sonstige Datenbanken


Sonstige wichtige Datenbanken, in denen sich neben den rechtswissenschaftlichen Publikationen auch noch Publikationen anderer Disziplinen befinden, sind beispielsweise:

Ansonsten bieten auch einige Universitäten Verzeichnisse über nützliche Datenbanken an. Darunter fallen teilweise auch sehr spezifische Fachdatenbanken (z.B. spezialisiert auf das Schiedsverfahren):



4. Sonstige nützliche Tools


Neben Suchmaschinen und Datenbanken können auch diese Tools das Auffinden und Verwalten von Literatur vereinfachen:

  • Open Access Helper (www.oahelper.org): Stehst du vor einer Paywall und auch der Uni-VPN kann nicht mehr weiterhelfen? Wurde die gewünschte Publikation schon auf einer anderen Website Open-Access publiziert, wird sie von dieser Browser-Erweiterung anhand des Digital Object Identifier (DOI) gefunden. Dieser Fall ist gar nicht mal so unwahrscheinlich: "There are more than 30 million Open Access versions of otherwise 'paywalled' scientific articles."

  • Literaturverwaltungsprogramme: Programme wie Citavi oder Mendeley können nach der erfolgreichen Suche und Download der Publikation dabei helfen, die Publikationen zu verwalten. Ansonsten können die Dokumente aber auch "normal" in übersichtlichen Ordnern gespeichert werden (z.B. in der Cloud).



5. Fazit


Zusammenfassend kann die Online-Suche nach Publikationen auf vielfältige Weise vorgenommen werden. Die nach meiner Ansicht wohl nützlichsten Suchmaschinen und Datenbanken (für das schweizerische Recht) sind dabei die Folgenden:

  • Google Scholar,

  • swisscovery (insb. online verfügbare Publikationen),

  • Swisslex,

  • legalis,

  • beck-online.


Viel Erfolg beim Auffinden der Literatur in den Weiten des Webs (und hinter Paywalls).


Zu guter Letzt noch etwas Motivierendes:



https://twitter.com/GrumpyLawCat/media

Bist du mit diesen Tipps einverstanden? Oder hast du Verbesserungsvorschläge? Schreibe es gerne in die Kommentare!

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